Recent Work

„Töten oder getötet werden“

Auf dem Bildschirm erscheint eine dunkelhaarige Brillenträgerin neben einem Kühlschrank. Ihre Lippen bewegen sich, doch sprechen hört man sie nicht. Eilig betreten die Veranstalter die Bühne, weisen die Frau hinter der Webcam auf die technische Panne hin. Kurz danach ist der Ton wiederhergestellt. Sie beginnt erneut: Amira Hass ist live aus Ramallah zugeschaltet. Seit 1997 lebt die Haaretz-Journalistin im Westjordanland, davor verbrachte sie mehrere Jahre in Gaza. Ihre Chronik Drinking the Sea a...

3,6 Quatratmeter Privatfläche

Noch bevor Corona die Obdachlosenzahlen weltweit in die Höhe schnellen ließ, hatten Daniel Talesniks Studenten an der Technischen Universität München sich im Rahmen eines Seminars mit der Frage beschäftigt, was Architektur zur Lösung der Wohnungslosigkeit beitragen kann. Acht Städte, Los Angeles – „Hauptstadt“ der Obdachlosen –, New York, San Francisco, Sao Paolo, Mumbai, Moskau, Shanghai und Tokio wurden dabei genauer untersucht. Städte, die man in Europa kennt, und die sich sowohl durch extrem...

„Wachrütteln“

„Nein nein, nicht vergessen“ habe man Marie-Claude Deffarge, sondern zeitlebens „vernachlässigt“, korrigiert uns Ingrid Becker-
Ross-Troeller. Im Gegensatz zu Gordian Troeller sei Deffarge ja nie ein „Star“ gewesen. Wir sitzen im Frühstücksraum vom Hotel Sheraton in Essen. Es ist der Morgen nach der feierlichen Einweihung der Ausstellung DEFFARGE & TROELLER: Keine Bilder zum Träumen, Stern-Reportagen und Filme. Ingrid Becker-Ross-Troeller, Gordian Troellers letzte Ehefrau, berichtet lebhaft und...

Szenen einer Ehe

Maria ist Mitte 50, hat traurige Augen, trägt dunkle Kleidung, Kopftuch. Bettelnd kauert sie am Ausgang einer Hamburger Kirche. „Alles Gute ta Familia. Nicio problemă. Alles Gute. Dankeschön“, sagt sie gebetsmühlenartig vor sich hin, während Andrei Schwartz’ Kamera die Beine der Vorbeigehenden filmt. Jemand wirft eine Münze in ihren Pappbecher. Auf dem Vorplatz stapeln sich abgesägte Tannenbäume. Es ist Nachweihnachtszeit. Maria wirft einen Blick in ihren Becher. Er klang etwas zu voll. Diskret...

„Jetzt geht es ums geistige Erbe“

Klar: Nach Corona, inmitten von Ukraine-Krieg und Inflation, in sogenannten Zeiten steigender Armut, den „Verzicht als Inspiration für ein gelingendes Leben“ anzuloben – das klingt erst einmal ziemlich abgehoben. Dass Reinhold Messner dieses Plädoyer unter Mitwirkung seiner Ehefrau Diane vorträgt, die auch noch aus Luxemburg stammt – das mag der eine oder andere schon pervers finden.

Im Ernst? Der berühmteste Bergsteiger unserer Zeit, Bezwinger aller Achttausender und Seven Summits, der selbs...

Anise Koltz (1928-2023) :La poésie avant toute chose

d’Land : Anise Koltz nous a quittés le 1er mars dernier. Comment avez-vous réagi à l’annonce de sa mort ?

Tim Reuter : Nous étions en réunion au Centre national de littérature (CNL) quand la nouvelle est tombée. Ce fut un moment d’émotion. C’était une personne qui a su réunir les gens. Encore récemment, j’étais en contact avec elle pour obtenir son accord pour un fonds précis et sur la lettre qu’elle m’a renvoyée, il y a tout juste un mois, sa signature était devenue difficile à lire. Alors q...

„Do what Leo tells you”

Vor zwei Jahren stand Léon Krier im Carré Rotondes am Sprechpult und hielt im Rahmen eines Konferenz-Zyklus des Luxembourg Center for Architecture (Luca) und der Uni Luxemburg einen Vortrag über die polyzentrische Stadt. Dabei tat Krier, was er erwartungsgemäß immer tut, wenn man dem konservativen Architekten die Gelegenheit dazu bietet: Er holte erst einmal zu einem Rundumschlag aus, gegen die zeitgenössische Architektur. Mit seinem Bruder Rob zählt Léon Krier zu den radikalsten Vertretern des...

„Nicht einander gegenüberstellen“

Nur wenige Tage nach der Verkündung des diesjährigen Literaturnobelpreises zeigte sich das Simon Wiesenthal Center „schockiert“ darüber, dass die Wahl ausgerechnet auf die französische Schriftstellerin Annie Ernaux gefallen war. Eine „linksextreme Aktivistin, die regelmäßig Israel als Apartheidstaat bezeichnet und die umstrittene BDS-Bewegung unterstützt“, so die internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Los Angeles in einem Brief an die Schwedische Akademie. In ihrem Schreiben äuße...

Les tiers-lieux dans le contexte luxembourgeois

Vu d’aujourd’hui, il y a une certaine ironie comique dans le fait que parmi toutes les sources consultées pour son livre The Great Good Place (1989), le sociologue américain Ray Oldenburg donne la parole à une Luxembourgeoise pour introduire ce qu’il appelle le problème du lieu en Amérique. Pour Oldenburg, « les Européens transplantés [sic!] ont une conscience aigüe du manque de vie communautaire dans nos zones résidentielles ». Son interlocutrice vit aux États-Unis depuis quatre ans, mais ne s’...

« Montrer toute la puissance du fait brut »

Frédéric Braun : À partir de quel moment saviez-vous que vous teniez une histoire entre vos mains ?

Jérôme Quiqueret : Assez rapidement. En janvier 2012, quand je quitte l’hebdomadaire Le Jeudi, mon dernier article porte sur le centenaire de la répression dans le sang de la grève de Differdange. Pour le préparer, je me rends sur eluxemburgensia.lu et tape « Italiener », car les manifestants tués sont italiens. Dans les centaines d’articles que je consulte, les Italiens y semblent invariabalem...

„Wir kennen nur einen Feind“

Sie leben derzeit in Czernowitz in der Westukraine, wo Sie in Sicherheit sind. Welche Neuigkeiten erreichen Sie aus Ihrer Heimatstadt Charkiw?

Yuri Radchenko: In Charkiw ist die Situation katastrophal. Es bestehen vor allem Probleme für ältere Menschen, die nicht evakuiert werden können und deswegen in ihren Wohnungen ausharren müssen. Es ist eine Tragödie. In einigen Häusern gibt es weder Elektrizität noch Wasser noch Internet. Und wir sprechen hier von Gebäuden von durchschnittlich 16 Stock...

„Man muss nicht alles einpacken“

Herr Grodensky, waren sie eigentlich vom Angriff auf die Ukraine überrascht oder haben Sie damit gerechnet?

Na ja, beides. Klar überrascht, weil niemand gedacht hat, dass tatsächlich ein Krieg kommt. Andererseits, wenn man zurückdenkt an das, was Putin und vor allem seine Ideologen in der Vergangenheit kundgetan haben, passt das schon sehr gut ins Bild. Diese Propaganda gegen die Ukraine lief schon seit Jahren. Ich selbst bin aufgewachsen mit dem Gedanken, dass man Ukrainern nicht richtig traue...

La vraie vie est ailleurs

Pour Annemarie Schwarzenbach, qui a toujours entretenu une relation très conflictuelle avec sa mère, la découverte des effets euphorisants de la morphine correspond avec la fin d’un monde, celui du Berlin des années 30 et le spectacle affligeant du triomphe de l’idéologie nazie en Allemagne – idéologie, qui était aussi celle de sa mère, Renée Schwarzenbach-Wille, cavalière d’obstacle à l’allure masculine et autoritaire. Avec son mari, le magnat de la soie Alfred Schwarzenbach, cette descendante...

"DëseRoman huet mat 'Faserland' netvill ze dinn"

26 Joer no "Faserland" huet de Christian Kracht mat "Eurotrash" d'Fortsetzung vu sengem Kultroman ugekënnegt. An dësem neie Road Novel mécht sech en Erzieler mam Numm Christian Kracht op d'Spuere vu senger Familljegeschicht a liwwert niewebäi de Portrait vun enger staarker Mamm, där hire Mann, genee wéi dem Auteur säi Papp, Manager vum Springer-Verlag war. De Frédéric Braun huet sech mam Claude Conter, Kracht-Spezialist an Direkter vun der Nationalbibliothéik, iwwer dëst Buch ënnerhalen.

De gan...

Den Thomas Bernhard an de "Fluch" vum Schrëftsteller

A sengen Erënnerunge mam Titel "Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard", beliicht säin Hallefbrudder Peter Fabjan fir de 90. Gebuertsdag vum éisträichesche Schrëftsteller, déi wéineg bekannte Familljeverhältnesser. De Frédéric Braun huet sech mam Germanist Tim Reuter iwwer dëst Buch ënnerhalen.

De ganzen Interview lauschterenplay_arrow

An dësem Buch gëtt ee vill iwwer d'Familljeverhältnisser gewuer an déi den Thomas Bernhard eragebuer gouf. Mir liesen iwwer dat schwieregt Verhältnis zum St...

« Le plus grand ennemi, c’est l’autocensure »

Frédéric Braun : Monsieur Levy, selon vous, le Luxembourg peut être fier. En effet, dans aucun autre pays européen, dites-vous, un ministre des Affaires Étrangères et des membres d’une famille régnante n’auraient assisté à un symposium sur l’avenir des Israéliens et des Palestiniens, comme celui organisé par le Comité pour une Paix-Juste au Proche-Orient, le 3 octobre dernier. Pourquoi ?

Gideon Levy : Parce que l’Europe reste paralysée face au lavage de cerveau israélien et sa propagande. Il...

Histoire 
: Le nœud gordien

Il y a des phrases que devant une certaine catégorie d’individus, on ferait probablement mieux de ne jamais prononcer. « Séparons-nous pendant trois mois » en est une. Et pourtant c’est ce qu’a cru nécessaire de faire à un moment de sa vie la première épouse de Gordian Troeller. « Mon journal de cette année-là contient toute une série de reproches envers moi-même », confie Ruth Troeller dans sa passionnante autobiographie « Living on a Bridge », rédigée en 2013 avec l’aide d’un ami et conservée...

68er-Bewegung: „Im Gegensatz zu allem Bekannten“

woxx: Das Jahr 1968 jährt sich zum fünfzigsten Mal. Wie denken Sie an diese für Europa so wichtige Zeit der Infragestellung der Nachkriegsgesellschaft zurück? 

Rodolphe Gasché: Im April erinnerte mich eine Bekannte daran, dass am 11. des Monats vor nunmehr fünfzig Jahren das Attentat auf Rudi Dutschke in Berlin stattgefunden hatte. Meine erste Reaktion war voraussehbar: Ist es wirklich schon fünfzig Jahre her, ein halbes Jahrhundert, seitdem das passiert ist? Als ich aber dann wenige Tage darau...

Alles war ausgelöscht

Depuis qu’il a cédé la présidence de l’Asbl MemoShoah, son cheval de bataille, on aperçoit moins Henri Juda, même s’il continue à rester présent dans les coulisses, à travers ses commentaires et son tempérament qui ne lui ont pas valu que des amis. Alors, depuis un certain temps déjà, il donne des conférences sur l’histoire de sa famille : dans les lycées, à Bitburg où ses parents étaient propriétaires d’un magasin, à Beaufort, à Mondorf-les-Bains ou encore comme le 20 février dernier dans sa vi...